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Brief I12. Okt. 2026 · 2 Min. Lesezeit

Ist es mein Code, wenn KI ihn schreibt?

Tests grün, CI grün - und trotzdem zögere ich. Warum der Moment vor dem Sign-off entscheidet, ob KI-Code mein Code ist.

Diese Frage stelle ich mir oft, wenn ich etwas mit KI coden lasse. Auf dem Bildschirm funktioniert alles sauber. Die Tests sind grün. Der CI-Task erkennt kein Qualitätsproblem. Also, Augen zu und in Produktion deployen?

Um diesen Moment des Zögerns geht es mir. Klicke ich jetzt einfach durch, bin ich nur noch Bewacher einer Code-Maschine. Ich will aber zu dem stehen können, was unter meinem Namen landet, und zwar mit gutem Gewissen. Deshalb schaue ich mir genauer an, was Autorenschaft für Entwickler in Zeiten von KI bedeutet.

Im Jahr 2020 war - abgesehen von Corona - noch alles gut, oder? Ich habe StackOverflow, Google und Framework-Dokus gewälzt, um zu einer Lösung zu kommen, die ich in Code übersetzen konnte. Der Flow des Codens entstand aus den kleinen Widerständen und Problemen, die ich mit wachsender Kompetenz gelöst habe, um zu einem Ergebnis zu kommen, dessen Weg ich verstanden habe - und hinter dem ich stehe.

Heute, 2026, muss ich mich zügeln, nicht jeder Änderung, die die KI für ein Feature geschrieben hat, einfach zuzustimmen, selbst wenn das Ergebnis gut aussieht. Denn unterschwellig habe ich das Gefühl, dass ich am Ende selbst meine Fähigkeiten unterwandere.

Wo genau entsteht das Problem? Softwareentwicklung mit KI hat mehrere kritische Stellen, ich beschreibe sie in meinem Plan. Für mich laufen sie alle auf einen Moment zu: das Sign-off, bevor ich mit meinem Namen im Versionskontrollsystem für immer für diese Zeilen einstehe. Damit ich dort mit gutem Gewissen signieren kann, brauche ich keine große Methode, sondern drei kleine Fragen an drei Stellen:

  • Bevor ich prompte: Kann ich das Ziel in einem Satz sagen?
  • Bevor ich den Output sehe: Woran erkenne ich, dass er stimmt? Mindestens ein Kriterium, das ich vorher festgelegt habe.
  • Bevor ich signiere: Wo könnte das brechen? Kann ich eine Schwachstelle benennen und prüfen?

Die ersten beiden vergesse ich gern. An der dritten entscheidet sich, ob ich Autor bin oder nur durchwinke.

Was diese kleine Routine bewirkt? Sie gibt mir zurück, was die KI mir unbemerkt abgenommen hat: die Verantwortung für eine gute Lösung. Damit habe ich auch die Antwort auf meine Ausgangsfrage: Es ist mein Code, wenn ich ihn mit gutem Gewissen signieren kann.

Bleibt der Flow. So, wie ich ihn 2020 kannte, kommt er nicht zurück. Aber er verschwindet nicht, er wandert. Wohin, darum geht es im nächsten Authorship Log: vom Flow des Codens zum Flow des Orchestrierens.

Zögerst du vor dem Sign-off?

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