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Was bleibt vom Können, wenn ich nur noch orchestriere?
Ich habe eine Textänderung der KI überlassen, nur weil sie offen war. Und eine Fehlersuche in 10 Minuten gelöst, weil die Frage in die richtige Schicht ging. Was vom Können bleibt, wenn alles gut läuft.
Neulich wollte ich auf meiner Webseite nur einen Text ändern, eigentlich nur ein Wort. Ich baue das Projekt mit KI, prüfe zwischendurch selbst die Arbeit und nehme Änderungen auch in der IDE vor. Bei dieser Textänderung war die IDE aber zu und die KI offen. Weil es einfacher war, habe ich die KI genutzt, um den Text zu ändern. Das ging schnell und schmerzlos. Ich habe mir aber keine Gedanken gemacht, ob die KI hier das richtige Werkzeug ist. Ich habe aus Bequemlichkeit genommen, was gerade offen war.
Dabei habe nicht ich entschieden, welches Werkzeug ich wähle, sondern die schnelle Verfügbarkeit des KI-Fensters. Textänderungen gebe ich gern ab. Meine Gewohnheit unterscheidet aber nicht zwischen einem Wort und den Dingen, die ich können oder nicht verlernen will.
In einem anderen Projekt suchte ich einen Fehler in der .htaccess. Der Server gab einen 500er zurück, und die KI war sich sicher, dass die Syntax korrekt ist. Wir haben sie etwa 10 Minuten lang geprüft - und teils habe ich Direktiven selbst in der Doku nachgeschlagen. Dann habe ich gefragt: „Kann es sein, dass diese Direktive vom Hoster abgelehnt wird?“ Das Ergebnis dieses Austauschs: Es lag nicht an der Datei. Der Hoster unterstützt die Direktive nicht.
Die KI kannte die Syntax. Die Frage nach dem Hoster kam von mir. Irgendwann dämmerte mir, dass es nicht an der Datei liegen muss, sondern an der Umgebung, in der sie läuft. Meine Frage war eine konkrete Vermutung über genau diese Direktive und den Hoster.
Das ist für mich die Antwort auf die Frage in der Überschrift: Das Tippen gebe ich gern ab. Behalten will ich die Richtung der Frage - liegt es im Code, in der Konfiguration, in der Umgebung oder sonstwo? Die KI beschleunigt die Suche, aber wohin gesucht wird, entscheide ich - oder eben nicht, wenn ich aus Bequemlichkeit nehme, was offen ist. Das ist mein persönlicher Eindruck aus diesen beiden Fällen.
Das hängt mit den ersten beiden Logs zusammen. „Wo könnte das brechen?“ und „Wohin geht das?“ sind Fragen, die meine Domäne ansprechen und meine Intuition, die ich als langjähriger Entwickler aufgebaut habe. Diese würde verkümmern, wenn ich nicht selbst aktiv die Fragen aus diesem und den letzten Logs stellen würde. Denn mir ist wichtig, am Ende mit gutem Gewissen als Autor für das zu stehen, was ich signiere.
Wörter darf die KI gerne schreiben. Wichtig ist mir, dass ich entscheide, was ich abgebe und was ich behalten will.
Meine Übung diese Woche: Bei einem Problem, das ich selbst lösen können will, schreibe ich vor dem Prompt einen Satz auf: „Ich vermute X, weil Y.“ Dazu stelle ich mir die Frage: Liegt es im Code, in der Konfiguration, in der Umgebung oder sonstwo? Bei allem anderen darf die KI einfach machen.
Und du? Welches Können hast du zuletzt abgegeben - und hast du es bewusst entschieden?
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